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Über 500 Windmessungen in ganz Europa hat die Energiewerkstatt bisher durchgeführt, viele davon auf Bergrücken, die man nur im Sommer erreicht. Angefangen hat alles 1986 mit einem Verein im Innviertel, gegründet als Antwort auf Tschernobyl. Heute planen und begutachten hier 23 Leute Windparks, von der ersten Messung bis zur Bewilligung. Der Sitz ist noch immer derselbe: Heiligenstatt 23 in Friedburg.
Die Arbeit beginnt fast immer mit Daten. Messmasten bis 180 Meter Höhe, dazu LIDAR- und SODAR-Geräte, erfassen über Monate hinweg, wie stark der Wind an einem geplanten Standort tatsächlich weht. Aus diesen Messreihen entstehen bankfähige Energieertragsgutachten, auf die sich Finanzierer verlassen, bevor der erste Kran anrollt. Dazu kommen Gutachten, die im Genehmigungsverfahren verlangt werden, etwa zum Schattenwurf einer Anlage oder zu der Frage, wie oft sich an den Rotorblättern Eis bildet und wie weit die Brocken fliegen. 2020 übernahm die Energiewerkstatt das Lenders Engineering für den größten Windpark Österreichs.
Das zweite Standbein ist die Forschung. Seit rund drei Jahrzehnten ist das Haus an nationalen und internationalen Projekten beteiligt, häufig als Initiator oder Koordinator, mit einem klaren Schwerpunkt auf Risikoanalysen und Vereisung. 2011 entstand hier der Windatlas Österreich samt Windpotentialstudie. Für die IG Windkraft rechnete das Büro durch, wie viel Windpotential dem Land bei unterschiedlichem Ausmaß der Flächennutzung bleibt. Wer in solchen Projekten mitarbeitet, publiziert und rechnet, statt nur abzuarbeiten.
Gearbeitet wird längst nicht nur in Österreich. Referenzprojekte gibt es unter anderem in Italien, Serbien und Rumänien, und der Cleantech-Cluster nennt über 30 europäische Länder, in die das Büro sein Wissen exportiert. Für Bewerberinnen und Bewerber heißt das: Auslandsstandorte gehören zum Alltag, nicht zur Ausnahme.
Die Teamliste zeigt, wie breit das Fachwissen gestreut ist. Physikerinnen und Ingenieure sitzen an den Auswertungen, Messtechniker bauen die Masten auf und halten die Geräte in Betrieb, dazu kommen juristische und kaufmännische Qualifikationen im Haus. Für die Messtechnik hält der Verein seit 2021 eine eigene Mechatronik-Gewerbeberechtigung, das Ingenieurbüro für erneuerbare Energie im Bereich Maschinenbau besteht seit 2004.
Als Arbeitgeber bezeichnet sich die Energiewerkstatt selbst als „ein durchaus anderer Arbeitgeber", und sie wird auf der eigenen Jobseite konkret. Vier-Tage-Woche, Teilzeitmodelle und Gleitzeit sind möglich, einzelne Homeoffice-Tage ebenso. Wer öffentlich pendelt, bekommt das Klimaticket, je nach Funktion gibt es ein CO₂-neutrales Firmenauto. Genannt werden außerdem strukturiertes Onboarding, Essensgutscheine, Unterstützung beim Umzug und die Möglichkeit, als Beschäftigte Vereinsmitglied zu werden und mitzureden. Gearbeitet wird in einem sanierten historischen Gebäude im Grünen.
Rechtlich ist die Energiewerkstatt ein eingetragener Verein mit Sitz in Friedburg in der Gemeinde Lengau, Oberösterreich. Seit dem Generationenwechsel im Jahr 2020 führen Andreas Krenn und Thomas Wölfler die Geschäfte gemeinsam. Umsatz- und Bilanzzahlen veröffentlicht der Verein nicht. Nachlesbar ist dafür die Arbeit: über 500 Windmessungen und ein Windatlas für ganz Österreich.
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