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In Herzogenburg schmelzen zwei Mittelfrequenzöfen zwölf bis vierzehn Tonnen Eisen pro Stunde. Daraus werden Abgaskrümmer, Turboladergehäuse, Bremsträger und Differenzialgehäuse für Pkw, Lkw und Baumaschinen. Gegossen wird an diesem Standort seit über hundert Jahren. Seit 2019 gehört das Werk den eigenen Leuten.
Lange war die Gießerei Teil des Schweizer Georg-Fischer-Konzerns. Im Oktober 2019 kauften zwei erfahrene Gießereimanager sie heraus, Ralf Bachus und Markus Rosenthal, und gaben ihr ihren Namen. Rosenthal starb im November 2021. Bachus führt das Unternehmen seither allein, eingetragen als Geschäftsführer beim Landesgericht St. Pölten.
Was hier entsteht, sitzt in fast jedem Fahrzeug irgendwo verborgen. Bremssättel und Lagerdeckel gehören dazu, Kurbelwellen, und Differenzialgehäuse auch für E-Autos. Gearbeitet wird mit Grau- und Sphärogusswerkstoffen. Manche Serien laufen mit einer halben Million Stück im Jahr, daneben stehen Kleinaufträge von fünfzig Teilen für einen Prototypen. Die Kundenliste reicht von BMW und VW über MAN bis zu Liebherr und Claas, und sie ist deutlich gewachsen: Innerhalb von zwei Jahren stieg die Zahl der Kunden von 13 auf 31.
Ein Grund dafür steht seit Dezember 2020 in der Halle. Eine Röntgenanlage von Zeiss durchleuchtet Gussteile mit bis zu 450 kV und schaut dabei durch fünfzig Millimeter Metall. Ein Kunde aus der Luftfahrt lässt jedes einzelne Teil damit prüfen. Im Labor stehen zwei Funkenemissionsspektrometer, ein Rasterelektronenmikroskop, Zug- und Kerbschlagprüfmaschinen, und der Formsand wird alle vierzig Sekunden automatisch analysiert. Zehn Leute arbeiteten Anfang 2022 im Qualitätsmanagement. Zertifiziert ist der Betrieb nach IATF 16949 und ISO 9001, also nach den Normen, ohne die in der Automobilzulieferung niemand ins Geschäft kommt.
Rund 240 Beschäftigte hatte das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt (Fachbericht in quality-engineering.industrie.de, Jänner 2022). Entsprechend breit ist das Spektrum der Berufe. An Öfen und Formanlage arbeiten Produktionsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, in der Messtechnik werten Techniker Röntgenbilder und Koordinatenmessungen aus, davor liegen Modellbau, Kernmacherei und Gießsimulation. Nachwuchs bildet MRB Guss selbst aus und stellt die eigenen Lehrlinge namentlich auf der Website vor. Initiativbewerbungen sind ausdrücklich erwünscht und gehen direkt an die Personalabteilung.
Wie viele Menschen heute genau im Werk stehen, veröffentlicht das Unternehmen nicht. Gegossen wird jedenfalls weiter an der Wiener Straße in Herzogenburg, so wie seit über hundert Jahren.
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