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Rund 800 Meter unter Tage, im Bergwerk Mittersill, läuft seit März 2024 eine neue Aufbereitungsanlage mitten im Berg. 65 Menschen arbeiten dort im Bergbau, weitere 25 in der Aufbereitung. Was sie aus dem Fels holen, geht in die Steiermark: In St. Martin im Sulmtal betreibt die Wolfram Bergbau und Hütten AG die Hütte, in der daraus feinstes Wolframpulver wird.
Wolfram ist das Metall mit dem höchsten Schmelzpunkt. Zu Hartmetall verarbeitet, wird es so hart, dass daraus Bohrer, Fräser und Wendeschneidplatten entstehen, die ihrerseits Stahl zerspanen. Genau dieses Vormaterial stellt das Unternehmen her: Wolframcarbid- und Wolframmetallpulver in unterschiedlichen Korngrößen. Sie landen in der Automobil- und Luftfahrtindustrie, in der Energietechnik, in der Elektronik und im Bergbau selbst.
Der Weg vom Erz zum Pulver liegt komplett im eigenen Haus. In Mittersill wird Scheeliterz gefördert. In St. Martin im Sulmtal wird es gemeinsam mit weltweit zugekauften Konzentraten und mit recycelten Materialien gelöst, gereinigt und zu Ammoniumparawolframat gefällt, dem Zwischenprodukt für die Pulverproduktion. Etwa die Hälfte der Produkte stammt nach Unternehmensangaben bereits aus Recyclingmaterial, bis 2030 soll der Kreislaufanteil auf 90 Prozent steigen. Die Sandvik-Gruppe, die den Betrieb 2009 übernommen hat und heute Eigentümerin ist, bezeichnet ihn als einzige vollständig integrierte Wolframhütte außerhalb Asiens und Russlands. Recycling betreibt Wolfram zusätzlich im indischen Chiplun.
Die beiden österreichischen Standorte suchen sehr unterschiedliche Leute. In St. Martin im Sulmtal, dem Sitz der Aktiengesellschaft in der Weststeiermark, sitzen Verwaltung und Geschäftsleitung, und es arbeiten dort Schlosser:innen und Chemielaborant:innen neben kaufmännischen und technischen Angestellten. In Mittersill geht es um Elektrotechnik, um Schichtbetrieb in der Produktion und um den Bergbau unter Tage. Ausgebildet wird auch selbst: sechs Lehrberufe bietet der Standort St. Martin, im September 2023 lernten insgesamt 14 Lehrlinge an beiden Standorten, von der Labortechnik Chemie bis zur IT-Systemtechnik.
An Leistungen nennt das Unternehmen unter anderem eine Betriebskantine samt Essenszuschuss, eine Unfallversicherung, die auch in der Freizeit gilt, Prämien bei schulischem Erfolg und eine Beteiligung am Unternehmenserfolg. Für Büroarbeitsplätze gibt es flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit zum Homeoffice. Eine aktuelle Gesamtbelegschaftszahl veröffentlicht Wolfram nicht, eine Meldung der Regionalpresse nannte 2019 rund 380 Beschäftigte an beiden Standorten.
Die Wurzeln des Betriebs liegen im Pinzgau. Die Scheelitlagerstätte bei Mittersill wurde 1967 entdeckt, ab 1976 im Tagebau abgebaut und wird seit 1986 unter Tage erschlossen. Sie ist bis heute die größte Scheelitlagerstätte Europas.
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