Die meisten Lebensläufe von Technik-Absolvent:innen scheitern nicht an fehlender Erfahrung. Sie scheitern daran, dass die vorhandene Erfahrung wie eine Sammlung von Kursbesuchen aussieht. Wer drei Semester an einem Prüfstand gearbeitet hat, schreibt „Diplomarbeit im Bereich Antriebstechnik“ – und wundert sich über die Absage. Dabei liegt der stärkste Absatz der Bewerbung genau dort begraben.
Zwei Seiten – und die erste entscheidet
Das AMS gibt für den Lebenslauf einen klaren Rahmen vor: „ein bis maximal zwei A4-Seiten“, in einer gut lesbaren Schrift wie Arial oder Calibri, Schriftgröße „im Regelfall 11“. Klingt banal. Ist es nicht. Denn wer beim Einstieg zwei Seiten füllen will, streckt fast zwangsläufig – und schiebt genau das nach hinten, was ihn interessant macht.
Die vom AMS empfohlene Reihenfolge ist antichronologisch: persönliche Daten oben, dann Berufserfahrung, danach Aus- und Weiterbildung, anschließend Kenntnisse und Fähigkeiten. Ein Foto ist laut AMS „im deutschsprachigen Raum üblich, aber nicht verpflichtend“. Zeiten werden monatsgenau angeführt, und Praktika gehören ausdrücklich hinein – auch deshalb, weil sonst Lücken entstehen.
Für Berufseinsteiger:innen heißt das praktisch: Ferialpraxis in der Fertigung, das Pflichtpraktikum im FH-Bachelor, die Werkstudententätigkeit in der Instandhaltung – das ist Ihre Berufserfahrung. Nicht „nur ein Praktikum“.
Die Diplomarbeit ist ein Projekt. Schreiben Sie sie auch so.
An den berufsbildenden höheren Schulen wird die Diplomarbeit nach Möglichkeit im Team bearbeitet – bis maximal fünf Kandidatinnen und Kandidaten, wobei jede und jeder ein individuelles Thema bearbeitet. Ein externer Kooperationspartner ist dabei laut der Informationsseite des Bildungsministeriums zu Diplomarbeiten an berufsbildenden Schulen keine verpflichtende Voraussetzung.
Diese Struktur ist Ihr Vorteil, wenn Sie sie sichtbar machen. Personalverantwortliche in Technikbetrieben lesen einen Projektblock deutlich lieber als einen Arbeitstitel. Vier Zeilen reichen:
- Was – Aufgabe und Zielgröße („Prüfstand für Getriebespiel, Messunsicherheit unter 0,02 mm“)
- Meine Rolle – Ihr individueller Teil im Team, nicht der des Teams („Konstruktion der Aufnahme, Fertigungszeichnungen, Abstimmung mit dem Zulieferer“)
- Womit – Werkzeuge und Verfahren beim Namen („Inventor, FEM-Vorauslegung, Toleranzrechnung nach Zeichnungsvorgabe“)
- Ergebnis – was am Ende dastand, inklusive dessen, was nicht funktioniert hat
Dasselbe Schema trägt für die FH-Bachelorarbeit, für ein Praktikumsprojekt, für den Formula-Student-Rennstall oder die Anlagenumstellung, bei der Sie im Ferialjob mitgelaufen sind. Zwei bis drei solcher Blöcke sind mehr wert als eine halbe Seite Aufzählungspunkte.
Kenntnisse mit Niveau statt Sternchen-Balken
Bei den IT- und Fachkenntnissen empfiehlt das AMS, jeweils das Erfahrungsniveau anzugeben und vorhandene Zertifikate anzuführen; Sprachkenntnisse gehören nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (A1 bis C2) eingestuft. Die fünf Sternchen neben „CATIA“ sagen dagegen niemandem etwas.
Schreiben Sie stattdessen, woran Sie es gelernt haben: „SolidWorks – Diplomarbeit und sechs Monate Praktikum, Baugruppen bis ca. 40 Teile“. Oder: „TIA Portal – Grundkurs plus Inbetriebnahmebegleitung an zwei Anlagen“. Das ist überprüfbar, und genau darum geht es im Gespräch danach.
Das Anschreiben: eine Seite, ein echter Bezug
Auch hier ist die AMS-Vorgabe unmissverständlich: „Schreiben Sie kurz – 1 DIN A4 Seite.“ Aufbau in drei Teilen, im Hauptteil sollen neben den fachlichen ausdrücklich auch die sozialen Kompetenzen vorkommen. Das AMS rät außerdem, herauszufinden, wer im Unternehmen für Bewerbungen zuständig ist, statt pauschal „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu schreiben. Gehaltsvorstellungen gehören in den Schlussteil – aber nur, sofern sie in der Stellenanzeige verlangt werden.
Der häufigste Anfängerfehler beim technischen Anschreiben: Man erzählt den Lebenslauf noch einmal. Nutzen Sie die Seite lieber für die eine Verbindung, die aus dem Lebenslauf nicht hervorgeht – warum ausgerechnet dieser Betrieb, dieses Produkt, diese Fertigungstiefe.
Welches Fachgebiet Sie ansteuern, steht am Ende auf dem Gehaltszettel
Der Zuschnitt Ihrer Unterlagen entscheidet mit, in welcher Schublade Sie landen – und die Schubladen sind unterschiedlich dotiert. Eine eigene Auswertung der aktuell auf tecjobs.at ausgeschriebenen Stellen (Stand 05.08.2026, 603 Inserate mit Gehaltsangabe) zeigt beim ausgeschriebenen Mindestgehalt einen Median von 3.470 EUR brutto pro Monat, mittlere Bandbreite 2.948 bis 4.000 EUR. Nach Fachgebiet liegen Projektmanagement im Ingenieurwesen bei 3.964 EUR und Softwareentwicklung bei 3.800 EUR, Konstruktion und Entwicklung sowie Qualitätssicherung jeweils bei 3.478 EUR, Herstellung und Verarbeitung bei 3.141 EUR. Nach Standort: Wien 3.776 EUR, Linz 3.500 EUR, Graz 3.425 EUR.
Zwei Einschränkungen, die man kennen sollte: Das ist das ausgeschriebene Mindestgehalt, nicht das tatsächlich vereinbarte Einstiegsgehalt – und es umfasst alle Erfahrungsstufen, nicht nur Einsteiger:innen. Als Orientierung, welche Richtung sich lohnt, taugt es trotzdem.
Ein letzter, sehr praktischer Handgriff vor dem Absenden: Öffnen Sie die Stellenanzeige und Ihren Lebenslauf nebeneinander und markieren Sie jeden Begriff aus der Anzeige, der bei Ihnen wörtlich vorkommt. Findet sich kein einziger Treffer auf der ersten halben Seite, ist die Datei noch nicht fertig.
