Zwei Jahre lang lernen alle Mechatronik-Lehrlinge dasselbe. Dann kommt die Weichenstellung: sechs Hauptmodule, vier Spezialisierungen, ein halbes Jahr mehr oder nicht. Diese Entscheidung wirkt harmloser, als sie ist. Sie legt fest, in welcher Ecke der Technik Sie später arbeiten – und die Ecken werden bei uns im Stellenmarkt sehr unterschiedlich bezahlt.
Mechatronik ist einer der beliebtesten technischen Lehrberufe des Landes, und das aus einem simplen Grund: Der Beruf sitzt genau dort, wo Mechanik, Elektronik und IT zusammenlaufen. Laut AMS-Berufslexikon geht es um Herstellung, Programmierung, Wartung und Reparatur von Maschinen und Anlagen – also nicht um eine dieser Disziplinen, sondern um das Zusammenspiel. Wer eine Anlage sowohl mechanisch versteht als auch steuern und in Betrieb nehmen kann, ist im Werk schwer zu ersetzen.
Aufgebaut ist die Ausbildung als Modullehrberuf. Klingt technisch, ist aber im Kern eine einfache Bauanleitung.
Zwei Jahre gleich – dann teilt sich der Weg
Das Grundmodul dauert zwei Jahre und ist für alle verpflichtend. Danach folgt ein Hauptmodul über eineinhalb Jahre. Das ergibt 3,5 Jahre Lehrzeit. Hängen Sie noch ein Spezialmodul von einem halben Jahr an, sind es vier Jahre (Quelle: WKO, Berufs- und Brancheninfo Mechatronik).
Sechs Hauptmodule stehen zur Wahl:
- Automatisierungstechnik
- Elektromaschinentechnik
- Fertigungstechnik
- IT-, Digitalsystem- und Netzwerktechnik
- Alternative Antriebstechnik
- Medizingerätetechnik
Dazu vier Spezialmodule: Robotik, SPS-Technik, Additive Fertigung und Digitale Fertigungstechnik. Eine Regel sollten Sie kennen: Bestimmte Hauptmodule lassen sich zu einer vierjährigen Lehre kombinieren – etwa Automatisierungstechnik mit Fertigungstechnik; nur Medizingerätetechnik steht komplett für sich. Alle Hauptmodule lassen sich außerdem mit den vier Spezialmodulen verbinden. Wer also Automatisierungstechnik wählt, kann Robotik, SPS-Technik, Additive Fertigung oder Digitale Fertigungstechnik oben draufsetzen.
Warum diese Wahl aufs Gehalt durchschlägt
Hier wird es für den Geldbeutel interessant. Das Hauptmodul entscheidet, in welchem Tätigkeitsfeld Sie später landen – und diese Felder liegen bei uns nicht gleichauf. Eine eigene Auswertung der aktuell auf tecjobs.at ausgeschriebenen Stellen (Stand 02.07.2026) zeigt das deutlich.
Wer in Richtung Herstellung und Verarbeitung geht, findet Einstiegs- und Mindestgehälter mit einem Median von 3.020 EUR. Elektrik, Installation und Energietechnik liegen bei 3.268 EUR, Inbetriebnahme, Wartung und Reparatur bei 3.200 EUR. Der Gesamtmedian über alle Technikstellen beträgt 3.351 EUR. Und das Feld Softwareentwicklung? Dort steht der Median bei 3.900 EUR, die mittlere Bandbreite reicht von 3.571 bis 4.492 EUR.
Das ist keine Garantie, sondern eine Richtung. Aber die Richtung ist eindeutig. Wer sein Hauptmodul in Automatisierungstechnik legt und mit dem Spezialmodul SPS-Technik oder Robotik abschließt, arbeitet später näher an Steuerung, Programmierung und Software – also am oberen Rand dieser Spanne. Wer bei klassischer Fertigung bleibt, siedelt sich eher im mittleren Band an. Beides sind gute Berufe. Nur reden wir hier über einen Unterschied, der sich über ein Arbeitsleben auf einen fünfstelligen Betrag pro Jahr summieren kann.
Deshalb ist die Modulwahl nach dem zweiten Lehrjahr keine Formsache. Sie ist eine erste, leise Gehaltsentscheidung – getroffen mit 16 oder 17, oft ohne dass es jemand so benennt.
Nach der Lehre hört es nicht auf
Die Lehre ist die Basis, nicht die Decke. Die WKO nennt drei Aufbauwege: den Mechatronik-Meister, den Werkmeister und die Ingenieur-Zertifizierung für Mechatronik beziehungsweise Robotik. Alle drei sind für Facharbeiter:innen mit Praxis erreichbar, ohne noch einmal auf die Schulbank in Vollzeit zu müssen.
Wer schon während der Lehre ans spätere Studium denkt, kann über die Lehre mit Matura die Berufsreifeprüfung machen und sich damit den Weg an FH und Uni offenhalten. Der Reiz der Mechatronik bleibt dabei derselbe wie am ersten Tag: Die Kombination aus Mechanik, Elektronik und IT ist in fast jeder Branche gefragt, vom Maschinenbau über die Medizintechnik bis zur E-Mobilität.
Ein konkreter Rat für alle, die vor der Modulwahl stehen oder ein Kind dabei begleiten: Fragen Sie den Lehrbetrieb, welche Hauptmodule er überhaupt ausbildet – nicht jeder bietet alle sechs an. Und schauen Sie sich an, wohin die fertig ausgelernten Kolleg:innen im Betrieb tatsächlich gehen. Diese zwei Auskünfte sagen mehr über Ihr späteres Gehaltsband als jede Hochglanzbroschüre.
