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Berufseinstieg

Acht Wochen im Betrieb: Wie aus dem Pflichtpraktikum ein Jobangebot wird

Anna-Maria Inzinger
07. August 2026 · 4 Min. Lesezeit
Acht Wochen im Betrieb: Wie aus dem Pflichtpraktikum ein Jobangebot wird

Der kürzeste Weg in einen Technikbetrieb führt selten über ein Formular. Er führt über acht Wochen Werkstatt, ein Diplomarbeitsprojekt, ein Praxissemester. Was zählt, ist, was Sie am letzten Tag mitnehmen – und was Sie ein halbes Jahr später damit machen. Die meisten nehmen nichts mit. Genau da liegt die verschenkte Chance.

Acht Wochen. So lange dauert das Pflichtpraktikum an der HTL mindestens, in der unterrichtsfreien Zeit, vor dem Eintritt in den V. Jahrgang – so steht es im Bildungsportal „ABC der berufsbildenden Schulen“, die Details regelt der jeweilige Lehrplan. Spannender als die Wochenzahl ist die Zielliste. Dort steht neben der Anwendung des schulischen Wissens ausdrücklich die „Forcierung der Kontakte zur Wirtschaft und potentiellen späteren Arbeitgebern“.

Lesen Sie den Satz ruhig ein zweites Mal. Wer im Sommer in der Instandhaltung eines Anlagenbauers steht, ist längst im Bewerbungsverfahren. Ohne Termin, ohne Sakko, ohne dass jemand das Wort „Auswahlprozess“ in den Mund nimmt. An der FH ist das Berufspraktikum im Bachelorstudium nichts anderes.

Bevor Sie den ersten Tag antreten, sollten Sie allerdings wissen, als was Sie im Haus geführt werden. Die WKO trennt in ihrer Arbeitgeber-Information (Stand 01.01.2026) zwischen dem „echten“ Pflichtpraktikanten, der Ferialarbeitnehmerin und dem Volontär, und diese Unterscheidung kostet oder bringt Geld: Ein echtes Pflichtpraktikum außerhalb eines Dienstverhältnisses ist laut WKO grundsätzlich kein Arbeitsverhältnis im arbeitsrechtlichen Sinn, „ein reguläres Arbeitsentgelt gebührt daher nicht“. Ferialarbeitnehmer:innen dagegen sind Schüler:innen und Student:innen, die in der Ferienzeit freiwillig in normalen Beschäftigungsverhältnissen Einkommen erwerben. Ein paar Wörter Unterschied im Schriftverkehr, ein spürbarer Unterschied am Konto.

Fragen Sie das ab. Schriftlich, ein Satz reicht: Werde ich als Pflichtpraktikantin oder als Ferialarbeitnehmerin geführt, und was ist vereinbart? Kollektivverträge können für Pflichtpraktikant:innen eigene Regelungen enthalten oder sie ausdrücklich ausnehmen – Branchensache. Wird es strittig, klären Arbeiterkammer oder Wirtschaftskammer Ihren konkreten Fall; eine allgemeine Information ersetzt keine Beratung.

Die Abschlussarbeit ist ein Bewerbungsgespräch über mehrere Monate

Diplomarbeit an der HTL, Bachelorarbeit an der FH: In der Technik hängt beides oft an einem Betrieb als Auftraggeber. Das Bundesministerium für Bildung beschreibt den Weg auf seiner Plattform für Diplomarbeiten an berufsbildenden Schulen ganz ohne Pathos in vier Schritten – geeigneten Partner wählen, ein gut vorbereitetes Kooperationsgespräch führen, eine Kooperationsvereinbarung aufsetzen und unterfertigen, dazu optional eine Unterstützungsvereinbarung zwischen Schule und Unternehmen.

Dieses Kooperationsgespräch können Sie doppelt nutzen. Offiziell klären Sie Betreuung, Datenzugang, Geheimhaltung. Nebenbei sehen Sie, wie in diesem Haus gearbeitet wird: Wer erklärt Ihnen die Aufgabe? Wie lange dauert die Antwort auf eine simple Mail? Hat überhaupt jemand Zeit für Sie? Wenn Sie dreimal fragen müssen, bis Ihnen einer ein Messgerät zeigt, haben Sie schon eine Menge über Ihren künftigen Arbeitsalltag gelernt. Gratis.

Dann kommt der Teil, an dem die meisten scheitern, und er besteht aus Nichtstun. Praktikum vorbei, Diplomarbeit abgegeben, Funkstille bis zum Zeugnis – und danach eine anonyme Bewerbung ins Karriereportal, bei der niemand mehr weiß, wer Sie waren. Machen Sie es umgekehrt. Am letzten Tag holen Sie sich eine Bestätigung mit Tätigkeitsliste, und zwar keine mit „Mitarbeit in der Fertigung“, sondern eine, in der die Anlage steht, die Maschine, die Software, die Prüfschritte. Am selben Tag fragen Sie Ihre Betreuerin, ob Sie sie als Referenzperson nennen dürfen, samt Durchwahl. Und rund drei Monate vor dem Abschluss rufen Sie genau diese Person an, nicht das HR-Postfach: „Ich bin im Juni fertig und würde gern wieder bei Ihnen anfangen. Gibt es etwas?“ Danach schriftlich nachlegen, kurze Initiativbewerbung, Bezug auf das gemeinsame Projekt.

Das AMS rät bei Initiativbewerbungen ohnehin, vorab im Unternehmen anzurufen, um die Kontaktperson herauszufinden und sie in der Anrede anführen zu können (Stand 18.08.2025). Sie haben diese Person längst. Sie haben mit ihr wochenlang Kaffee getrunken.

Bleibt das Geld. Über alle Fachgebiete liegt das ausgeschriebene Mindestgehalt bei einem Median von 3.500 Euro brutto im Monat, die mittlere Bandbreite reicht von 2.986 bis 4.285 Euro – eigene Auswertung der aktuell auf tecjobs.at ausgeschriebenen Stellen (Stand 07.08.2026, 558 Stellen mit Gehaltsangabe). Konstruktion und Entwicklung: ebenfalls 3.500 Euro im Median, zwischen 3.100 und 4.000 Euro. Inbetriebnahme, Wartung und Reparatur: 3.343 Euro. Regional wird der Abstand deutlich, Wien 4.098 Euro gegen Innsbruck 3.100 Euro.

Nur: Das ist das Mindestgehalt aus dem Inserat, nicht die Zahl im Vertrag. Verhandelt wird die Überzahlung, und dafür brauchen Sie Belege statt Adjektive. Wer ein halbes Jahr in derselben Fertigung gestanden hat, kann sagen, welche Anlage er allein umgerüstet hat und wie lange das vorher gedauert hat. Gegen so einen Satz kommt kein Studienabschluss an.

Und wenn der Betrieb gerade niemanden aufnimmt? Lassen Sie sich Ihre Tätigkeiten trotzdem schriftlich bestätigen. In zwei Jahren ist dieses Blatt mehr wert als jede Zeile im Lebenslauf, die mit „Mitwirkung bei“ anfängt.

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