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Bewerbungsgespräch

Eingeladen zur zweiten Runde: Was Technik-Einsteiger:innen im Folgegespräch erwartet

Anna-Maria Inzinger
09. August 2026 · 4 Min. Lesezeit
Eingeladen zur zweiten Runde: Was Technik-Einsteiger:innen im Folgegespräch erwartet

Die Mail kommt nach zehn Tagen: Man würde Sie gerne noch einmal sehen, diesmal mit der Fachabteilung. Viele Absolvent:innen halten das für eine Formsache. Es ist das Gegenteil. In Runde eins hat die Personalabteilung geprüft, ob Sie ins Raster passen – jetzt sitzt jemand am Tisch, der mit Ihnen arbeiten muss.

Wer jetzt mit am Tisch sitzt

Das zweite Gespräch wird laut AMS „meist von mehreren Personen geführt, wie zum Beispiel der Fachabteilungsleitung, direkten Vorgesetzten oder der Geschäftsführung“. Die veranschlagte Dauer liegt „in der Regel“ zwischen 30 Minuten und zwei Stunden. Rechnen Sie mit dem oberen Ende. Und rechnen Sie damit, dass die Fragen anders klingen als beim ersten Mal.

Ein:e Konstruktionsleiter:in fragt nicht, wo Sie sich in fünf Jahren sehen. Sie fragt, warum Sie ein Bauteil so und nicht anders toleriert haben. In der Inbetriebnahme kommt gern die Nachtvariante: Die Anlage steht um drei Uhr früh, der Kunde telefoniert – was tun Sie zuerst? Darauf gibt es selten eine richtige Antwort, aber immer eine nachvollziehbare. Erzählen Sie den Weg, nicht das Ergebnis.

Arbeitsproben: drei bis vier, nicht älter als drei Jahre

Arbeitsproben werden laut AMS häufig in kreativen, wissenschaftlichen und technischen Berufen angefordert – sie „machen gewisse Kompetenzen greifbarer“. Empfohlen werden „nicht mehr als drei bis vier Proben“, maximal drei Jahre alt. Für Berufseinsteiger:innen heißt das meist: die HTL-Diplomarbeit, ein FH-Projekt, dazu eine Zeichnung oder ein Programmauszug aus dem Pflichtpraktikum.

Wählen Sie nach Aussagekraft, nicht nach Aufwand. Ein sauberer Fertigungszeichnungssatz mit Stückliste sagt über Sie mehr als ein 80-Seiten-Bericht. Bei einem SPS-Programm reicht ein Auszug mit Ihrer Kommentierung. Wichtig: Was aus einem Betrieb stammt, gehört diesem Betrieb. Nehmen Sie keine Kundenzeichnungen, Prüfprotokolle oder internen Kalkulationen mit, anonymisieren Sie Firmenlogos und Bauteilnummern und fragen Sie im Zweifel vorher nach. Das AMS rät ohnehin, keine Originale zu versenden und stattdessen mit PDF, Wasserzeichen oder passwortgeschützten Links zu arbeiten.

Der Rundgang gehört zum Gespräch

Häufig führt Runde zwei irgendwann aus dem Besprechungsraum hinaus – in die Halle, ins Labor, auf die Baustelle. Klären Sie vorher per Mail, ob Sie Sicherheitsschuhe und Schutzbrille brauchen oder ob der Betrieb welche bereitstellt. Das ist keine Kleinigkeit: Wer in Straßenschuhen vor der Linie steht, sieht die Linie nicht.

Der Rundgang ist Ihre beste Gelegenheit, den Arbeitgeber zu prüfen. Achten Sie auf ein paar Dinge, die niemand ins Inserat schreibt:

  • Wie sieht es an den Maschinen aus – Ordnung, Beschriftung, Zustand der Werkzeuge?
  • Reden die Leute miteinander, oder verstummt der Raum, wenn die Führungskraft eintritt?
  • Hängt ein Schicht- oder Projektplan aus, und wie viele Lücken hat er?
  • Womit wird tatsächlich gearbeitet: aktueller CAD-Stand oder eine Steuerungsgeneration, die seit zwölf Jahren läuft?

Und stellen Sie Ihre Fragen der Person, die Sie führt, nicht der Personalabteilung: Wer schult mich in den ersten Wochen ein? Wie viele Projekte laufen hier parallel pro Techniker:in? Wer hatte diese Stelle vorher? Die Antwort auf die letzte Frage sagt oft am meisten.

Wenn das Gehalt zur Sprache kommt

„In vielen Fällen wird im zweiten Vorstellungsgespräch das Thema Gehalt angesprochen und weitere Vertragsdetails diskutiert“, hält das AMS fest. Gehen Sie also mit einer Zahl hinein, nicht mit einem Gefühl. Eine eigene Auswertung der aktuell auf tecjobs.at ausgeschriebenen Stellen (Stand 09.08.2026) zeigt für das ausgeschriebene Einstiegs- beziehungsweise Mindestgehalt einen Median von 3.500 EUR brutto pro Monat, bei einer mittleren Bandbreite von 2.948 bis 4.285 EUR.

Die Unterschiede zwischen den Feldern sind deutlich. In Konstruktion und Entwicklung liegt der Median bei 3.500 EUR (3.000–3.900), im Projektmanagement bei 3.700 EUR, in Inbetriebnahme, Wartung und Reparatur bei 3.300 EUR, in der Qualitätssicherung bei 3.200 EUR. Auch der Standort zählt: Wien 3.952 EUR, Graz 3.954 EUR, Linz 3.720 EUR, Innsbruck 3.055 EUR. Wichtig zu wissen – das sind ausgeschriebene Mindestentgelte, nicht die tatsächlich bezahlten Einstiegsgehälter. Der reale Wert liegt in vielen Fällen darüber.

Formulieren Sie es sachlich und mit Bezug: „In der Konstruktion liegen die ausgeschriebenen Mindestgehälter im Median bei rund 3.500 Euro brutto im Monat. Mein Zielwert liegt bei 3.700 – wie sieht Ihr Band für diese Rolle aus?“ Sagen Sie dazu, ob Sie 12 oder 14 Bezüge meinen. Dieser Halbsatz verhindert das häufigste Missverständnis in dieser Gesprächsphase.

Übrigens dürfen im Gespräch nicht alle Fragen gestellt werden. Die WKO nennt Fragen zu Heirat und Schwangerschaft, Partei- und Kirchenzugehörigkeit, finanzieller Situation sowie – außerhalb von Vertrauenspositionen – zu Vorstrafen als unzulässig. Wo es im Einzelfall heikel wird, hilft die Arbeiterkammer weiter; dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

Ein letzter praktischer Punkt: Schreiben Sie noch am selben Abend auf, welche Software, welche Maschinen und welche Projektnamen gefallen sind. In Runde drei oder beim Vertragsgespräch zitieren Sie daraus – und niemand wird glauben, dass Sie nur zufällig da waren.

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Quellen

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