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Bei einer Sepsis zählt jede Stunde. Bis eine herkömmliche Blutkultur verrät, welcher Erreger im Spiel ist, vergeht aber meist mehr als ein Tag, weil die Bakterien erst angezüchtet werden müssen. Cellectric geht diesen Umweg mit Strom an: Ein elektromagnetisches Feld löst die menschlichen Zellen in der Probe gezielt auf und lässt die lebenden Erreger übrig. Entwickelt wurde das Verfahren am AIT Austrian Institute of Technology, seit 2021 steht eine eigene Firma in Wien-Floridsdorf dahinter.
Das Unternehmen nennt seine Technologie das "Electrome" und baut daraus eine Plattform für die Probenvorbereitung. Sepsis ist der erste Anwendungsfall, nicht der einzige: Auf derselben Grundlage arbeitet das Team an Zellsortierung ohne Aerosole und an schonender Zelllyse für die Massenspektrometrie. Das Ziel, das AIT und Cellectric öffentlich formuliert haben, ist eine bis zu zehnfach schnellere Sepsis-Diagnose (LISAvienna, 2022).
Rund zwanzig Menschen aus 14 Ländern arbeiten daran, die meisten sind für diesen Job nach Wien gezogen (Wirtschaftsagentur Wien, 2025). Auf der Website stehen aktuell 18 Namen. Diese Größe hat einen praktischen Effekt für alle, die einsteigen: Man verfolgt eine Idee von der Physik bis zum montierten Gerät, nicht nur ein Teilstück davon. Im Fab Lab entstehen die Prototypen, ein Stockwerk der Arbeit weiter setzt eine Montagetechnikerin die Geräte zusammen. Es gibt einen Head of Engineering und einen Head of Manufacturing, also echten Gerätebau im eigenen Haus, was für ein Biotech-Unternehmen dieser Größe keineswegs selbstverständlich ist.
Die Disziplinen sitzen dabei dicht beieinander. Ein Materialwissenschaftler prüft, was das elektrische Feld mit den Elektroden macht; eine klinische Application Scientist testet dasselbe Verfahren an echten Fragestellungen aus dem Krankenhaus. Dazu kommen Qualitäts- und Compliance-Rollen. Sie sind von Anfang an besetzt, weil ein In-vitro-Diagnostikum am Ende eine Zulassung braucht und die Dokumentation dafür nicht nachträglich entsteht.
Geforscht wird nicht im Alleingang. Mit dem schwedischen Diagnostikhersteller Gradientech aus Uppsala prüft Cellectric seit Herbst 2025, ob sich Erreger direkt aus Vollblut isolieren und anschließend sofort auf Antibiotika-Empfindlichkeit testen lassen. Ein zweites Vorhaben läuft mit der Schweizer Firma Resistell und dem Universitätsspital Lausanne: Für Menschen mit Mukoviszidose soll die passende Antibiotikatherapie schneller gefunden werden. Das EU-Programm Eurostars fördert das dreijährige Projekt mit knapp 2,7 Millionen Euro, rund 830.000 Euro davon entfallen auf Cellectric (Resistell, 2024).
Finanziert hat sich das Unternehmen bislang über Förderungen von FFG und aws sowie über den Beteiligungsgeber xista science ventures aus der Wiener Region. Zu Umsatz und Ergebnis veröffentlicht die GmbH nichts, was für ein junges Diagnostikunternehmen in dieser Phase üblich ist. Geführt wird sie von Mitgründer Terje Wimberger. Offen ausgeschrieben ist derzeit eine Stelle als Embedded Systems Engineer, die Elektronik und Firmware des Geräts verantwortet; Initiativbewerbungen nimmt die Firma ausdrücklich entgegen.
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