Zwei Bewerbungen, praktisch derselbe Lebenslauf. Die eine geht an einen Betrieb zwölf Minuten von zu Hause, die andere 45 Kilometer weiter in eine Region mit drei Anlagenbauern. Nach einem Monat hat die zweite Bewerberin zwei Gespräche, die erste gar nichts. Der Unterschied steckt selten im Abschlusszeugnis. Er steckt im Suchradius.
Wo die Inserate wirklich hängen
Das AMS JobBarometer zählt ausgeschriebene Stellen pro Beruf und Bundesland. Für Maschinenbautechniker:innen waren es 2025 in Österreich 5.050 Inserate: 1.523 davon in Oberösterreich, 808 in der Steiermark, 649 in Niederösterreich – und 56 im Burgenland. Bei Elektrotechniker:innen für Anlagen- und Betriebstechnik lag die Zahl 2025 bei 8.022, wieder mit Oberösterreich (2.304) voran; den Dreijahrestrend bis 2028 weist das AMS für diese Berufsuntergruppe als „tendenziell positiv" aus.
Das heißt nicht, dass alle nach Linz ziehen müssen. Es heißt: Ihr Radius bestimmt, wie viele Stellen Sie überhaupt sehen. Wer im Burgenland wohnt und nur dort sucht, bewirbt sich im Maschinenbau auf einen Bruchteil der Inserate, die eine halbe Fahrstunde weiter offen sind. Prüfen Sie Ihren Radius einmal auf der Landkarte statt im Gefühl. Zeichnen Sie 40 Kilometer um Ihren Wohnort ein und schauen Sie, welche Industriestandorte hineinfallen.
Was die Standorte zahlen – und was die Zahl nicht sagt
In unserer eigenen Auswertung der aktuell auf tecjobs.at ausgeschriebenen Stellen (Stand 14.10.2026) liegt das ausgeschriebene Einstiegs- beziehungsweise Mindestgehalt über alle Technikbereiche bei einem Median von 3.009 EUR brutto im Monat, die mittlere Bandbreite reicht von 2.805 bis 3.478 EUR. Nach Standort geht die Schere auf: Wien 3.900 EUR (aus 53 Inseraten), Linz 3.516 EUR, Gleisdorf 3.478 EUR, Graz 3.300 EUR, Hartberg und Fürstenfeld je 3.000 EUR.
Zwei Lesehilfen dazu. Erstens: Das ist das ausgeschriebene Mindestgehalt, nicht das, was am Ende im Dienstvertrag steht – verhandelt wird darüber hinaus. Zweitens spiegeln die Standortunterschiede auch, welche Betriebe dort gerade suchen. Dass der Median in Gleisdorf über dem von Graz liegt, sagt nichts über Lebenshaltungskosten, sondern etwas über den Branchenmix der offenen Stellen. Nach Fachgebiet zeigt sich das noch klarer: Konstruktion und Entwicklung liegt bei 3.285 EUR, Qualitätssicherung bei 3.100 EUR, Inbetriebnahme, Wartung und Reparatur bei 3.000 EUR.
Den Weg einmal ehrlich durchrechnen
Pendeln ist in Österreich der Normalfall, nicht die Ausnahme. Die Abgestimmte Erwerbsstatistik 2024 von Statistik Austria (Stichtag 31. Oktober) zählt 2.396.626 Gemeindeauspendler:innen bei einer durchschnittlichen Wegstrecke von 26 km und einer durchschnittlichen Wegzeit von 24 Minuten. Ihr künftiger Weg ist damit noch nicht beurteilt – aber Sie wissen, wo Sie im Verhältnis stehen.
Für die steuerliche Seite gibt es ein offizielles Werkzeug: Der Pendlerrechner des Finanzministeriums (pendlerrechner.bmf.gv.at) dient laut oesterreich.gv.at „zur Ermittlung der Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte und zur Beurteilung, ob die Benützung eines Massenbeförderungsmittels … zumutbar oder unzumutbar ist"; auf Basis dieses Ergebnisses berücksichtigt der Arbeitgeber Pendlerpauschale und Pendlereuro. Rechnen Sie das durch, bevor Sie ein Angebot bewerten, und klären Sie Zweifelsfragen mit dem Finanzamt – eine individuelle Beurteilung ersetzt dieser Beitrag nicht.
Vier Fragen, die Sie im Gespräch stellen sollten
Technikjobs haben eine Eigenheit, die reine Büro-Rechnungen übersehen: Der Standort im Inserat ist oft nicht der Ort, an dem Sie tatsächlich stehen.
- Welcher Arbeitsort wird im Dienstvertrag vereinbart – nur dieser eine Standort oder mehrere Werke?
- Wie hoch ist der Reise- oder Montageanteil im ersten Jahr, in Tagen oder Prozent? Bei Inbetriebnahme und Service ist die Antwort selten „null".
- Wann beginnt die Frühschicht, und fährt dann schon ein Zug? Ein Dienstbeginn um 6:00 Uhr entscheidet über Auto oder Öffi – und damit über Kosten.
- Gibt es Werkverkehr, ein Jobticket oder Parkplätze am Werksgelände? Das sind reale Beträge, die niemand ins Inserat schreibt.
Pendeln oder übersiedeln
Zwei Stunden täglich im Auto halten die meisten ein paar Monate durch, dann nicht mehr. Wenn die Stelle fachlich die bessere ist – etwa weil Sie dort an einer Maschinensteuerung lernen statt am Prüfprotokoll –, ist ein Umzug oft die rationalere Entscheidung als die Absage. Vereinbaren Sie in diesem Fall einen späteren Eintrittstermin, statt sich gleich in der Einarbeitung mit der Wohnungssuche zu zerreißen.
Und ein letzter, sehr unglamouröser Tipp: Fahren Sie die Strecke einmal ab, bevor Sie zusagen. Nicht sonntags um elf, sondern an einem Montag um 6:15 Uhr, so wie Sie sie künftig fahren würden.
